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Das Mädchen auf der Flur
(1)
Die
schönen heiteren Lieder deiner Schwester, die dein Herz liebt, und die von
der Flur kommt.
Mein geliebter Bruder, mein Herz steht nach deiner Liebe - - - - . Ich sage
dir: "sieh, was ich tue. Ich bin gekommen und fange mit meiner Falle in
meiner Hand und meinem . . . und meinem . . . Alle Vögel von Punkt
(2), die
lassen sich auf Ägypten nieder, mit Myrrhen gesalbt. Der als erster kommt,
der nimmt meinen Wurm
(3); seinen
Geruch bringt er aus Punkt und seine Krallen sind voll Salbe.
Mein Wunsch an dich ist, dass wir sie zusammen lösen
(4), ich
allein mit dir, dass du hörest das Schreien meines Myrrhengesalbten.
Wie schön wäre es, wenn du dort mit mir wärest, wenn ich die
Falle aufstelle. Das Schönste ist zum Felde zu gehen zu dem, der geliebt
wird.
Die Stimme der Gans schreit, die an ihrem Wurm gefangen ist, aber die Liebe zu
dir hält mich zurück und ich kann sie nicht loslösen. Ich werde
meine Netze abnehmen; was soll ich meiner Mutter sagen, zu der ich jeden Abend
gehe, mit Vögeln beladen?
"Hast du denn heut keine Falle gestellt?"
(5) Deine
Liebe hat mich fortgeschleppt .
Die Gans fliegt und lässt sich nieder - - - - , die vielen Vögel
ziehen umher, doch ich kümmere mich nicht um sie, denn ich habe nur meine
Liebe, die von mir allein. Mein Herz ist dem deinen ebenmäßig (?),
ich entferne mich nicht von deiner Schönheit.
- - - - ich sehe süßen Kuchen und er schmeckt mir wie Salz, und
Schedehtrank
(6), der
(sonst) süß war in meinem Munde, der ist mir wie Vogelgalle. Der
Geruch deiner Nase allein
(7) der ist
es, der mein Herz belebt; (dann) habe ich gefunden, dass mir Amon gegeben ist
(8) immer
und ewiglich.
Du Schönster, mein Wunsch soll sein, dass ich dich liebe als deine
Hausfrau, dass mein Arm auf deinem liegt - - - - Wenn mein älterer Bruder
heut Nacht nicht bei mir ist, so bin ich wie der Begrabene, denn bist du nicht
Gesundheit und Leben? - - - -
Die Stimme der Schwalbe redet; sie sagt: "die Erde wird hell, was ist dein
Weg?"
(9) Nicht
doch, du Vogel. Du kränkst (?) mich; ich habe meinen Bruder in seinem
Bette gefunden und mein Herz freut sich . . . Er sagt zu mir: "ich werde
mich nicht entfernen und meine Hand bleibt in deiner Hand. Ich ergehe mich und
bin mit dir zusammen an jedem schönen Orte." Er macht mich zum ersten
der Mädchen und kränkt nicht mein Herz.
Ich lege mein Gesicht an die Außentür; siehe mein Bruder kommt heute
zu mir. Meine Augen sind auf den Weg gerichtet und mein Ohr horcht - - - - .
Ich machte die Liebe meines Bruders zu meiner einzigen (?)Angelegenheit, denn
für ihn (?) schweigt mein Herz nicht.
Er sendet mir einen schnellfüßigen Boten, der kommt und geht, um mir
zu sagen: Unrecht ist mir geschehen (?)
(10) - - -
- Was soll es, dass du das Herz eines andern kränkst und mich . . . ?
Mein Herz gedenkt deiner Liebe. Die Hälfte meiner Schläfe ist (erst)
geflochten, wenn ich eilends dich zu suchen komme. Ich kümmere mich nicht
(mehr) um meine Frisur, doch wenn du mich noch liebst (?), so lege ich meine
Flechten an, dass ich fertig sei zu jeder Zeit.
(11)
1) auf der
Vorderseite des Papyrus Harris 500 in London, die etwa unter Sethos I.
geschrieben ist. entdeckt von Goodwin. Vgl. W. Max Müller, Liebespoesie.
2) eigentlich: "ein Mann seines Bauches".
3) den Köder der Falle.
4) die Vögel aus der Falle.
5) fragt wohl die Mutter.
6) ein süßes, berauschendes Getränk.
7) die Ägypter küssten, wenigstens in ältester Zeit, mit
Berührung der Nasen; vielleicht geht es darauf.
8) Sinn?
9) du musst fortgehen?
10) der Sinn des Folgenden ist, dass er sich entschuldigt und sie es nicht
glaubt.
11) mit der Perücke schmücken, die Ägypterinnen über ihrem
eigenen Haare zum Staat trugen.
Unbekannter Verfasser, aus dem Neuen Reich 1532 bis 1070 v. Chr.
Übersetzer: Adolf Erman 1854 - 1937
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