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Reden der Liebenden. Erste Sammlung
(1)
Einzelne
kleine Lieder, die unter sich keinen Zusammenhang haben. Bald ist es der eine
und bald der andere Teil der Liebenden, der seine Leiden klagt und seine
Wünsche ausspricht.
(Das Mädchen spricht.)
- - - - mein Gott. Du mein Bruder, es ist süß zum (Teiche) zu gehen,
um vor dir mich zu baden, dass ich dich meine Schönheit sehen lasse in
meinem Hemd von feinstem Königsleinen, wenn es benetzt ist
(2) . . .
Ich steige mit dir ins Wasser hinab und komme wieder herauf zu dir mit einem
roten Fische, der schön auf meinem Finger liegt (?) - - - - Komm und sieh
mich an.
(Der Jüngling spricht.)
Die Liebe meiner Schwester ist auf jener Seite da, ein Fluß ist zwischen
(uns beiden) und ein Krokodil liegt auf der Sandbank. Doch wenn ich ins Wasser
gestiegen bin, so trete ich auf die Flut; mein Herz ist mutig auf dem
Gewässer . . . und das Wasser ist meinen Füßen wie Land. Ihre
Liebe ist es, die mich so stark macht; ja sie macht den Wasserzauber
(3)
für mich.
Ich sehe wie meine Schwester kommt und mein Herz jubelt. Meine Arme sind
ausgebreitet, sie zu umarmen und mein Herz frohlockt auf seiner Stelle
(4) wie ein
. . . ewiglich, wenn die Herrin zu mir kommt.
Umfasse ich sie und ihre Arme sind ausgebreitet, so ist mir, als wäre ich
einer aus Punt
(5) - - - -
Salbe.
Küsse ich sie und ihre Lippen sind offen, so bin ich fröhlich (auch)
ohne Bier. - - - - Das folgende spricht der Jüngling wohl zu seinem
Diener: ich sage zu dir: lege das feinste Leinen zwischen ihre Glieder, bette
sie nicht in Königsleinen
(6) und
hüte dich vor weißem Leinen
(6).
Schmücke (ihr Lager mit . . . ) und beträufele es mit
Tischepesöl
(7).
Ach, wäre ich doch ihre Negerin, die ihre Begleiterin ist; dann sähe
ich die Farbe aller ihrer Glieder.
Ach, wäre ich doch der Wäscher . . . in einem einzigen Monat, . . .
ich wüsche die Salben aus, die in ihrem Kleide sind - - - -.
Ach, wäre ich doch ihr Siegelring, der an (ihrem Finger?) steckt - - - -
1) Auf
einem Ostrakon in Kairo. Entdeckt 1897 von Spiegelberg.
2) also am Körper
3) gegen die Krokodile
4) nach ägyptischer Vorstellung liegt das Herz auf der Unterlage und ist
nur froh, solange es auf der bleibt.
5) das Land der Wohlgerüche; so süß duftet die Geliebte nach
ihren Salben.
6) das müssen also geringere Arten Leinen sein, wenigstens in dieser Zeit.
7) ein berühmter Wohlgeruch
Unbekannter Verfasser, aus dem Neuen Reich 1532 bis 1070 v. Chr.
Übersetzer: Adolf Erman 1854 - 1937
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