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An eine Blume
Du liebliches Erinn'rungszeichen,
O Blümelein, was willst du hier?
Du, Gunst noch werbend im Erbleichen!
Sag' an, wer sendet dich zu mir?
Gar weiten Weg bist du gekommen,
Vom Stummen Siegel wohl verwahrt.
Hat dir wohl etwas offenbart
Die Hand, die dich vom Strauch genommen?
Bist du zum Welken nur Entsprossen
Wie deiner Schwestern große Zahl?
Erblüht dein Kelch wohl noch einmal,
Und hält er Sinniges umschlossen?
Ich seh' in deiner Blüte Weiß
Die Unschuld glückversagend blinken,
Doch seh' ich scheu die Hoffnung winken
Aus deinem grünen Blätterkreis.
Bist du ein Sendling? Gib dich freier!
Vertrau'! Ich weiß zu schweigen auch.
Ist eine Sprache dieser Hauch?
Ist diese Grün vielleicht ein Schleier?
Wenn ich's erriet, so raun' mirs zu,
Du Botin, du geheimnisvolle!
Wenn nicht, - an meinem Herzen ruh'
Und wahre deine stumme Rolle!
Ich kenne wohl die kleine Hand,
An Launen reich und reich an Gnaden,
Die deinen bleichen Kelch umwand
Mit silberfeinem Seidenfaden.
O diese Hand! Wer fände schnell
Nur eine zweite, ihr vergleichbar?
Und gälte Venus als Modell,
Kaum einem Phidias wär's erreichbar.
Die Hand, geschickt zu tausend Dingen
Ist schön und edel, weiß und weich.
Wer einst versteht, sie zu erringen,
Den macht sie glücklich, macht sie reich.
Doch sie ist klug und streng in Pflichten!
Mir sei genug, was ich erfuhr.
Sie soll uns nicht im Zorne richten:
Still, Blümchen! Lass mich träumen nur.
Alfred de Musset - 1810 - 1857
Übersetzer: Sigmar Mehring 1856 - 1915
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