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         Französische Liebeslyrik


An Pepita

Pepita, wenn die Sonne scheidet
Und Mutter spricht : Geh, es ist spät !
Und du im Stübchen, halb entkleidet,
Still hersagst noch dein Nachtgebet -

Zur Stunde wo du Leid und Sehnen
Der milden Trödst'rin Nacht vertraust -
Wo du entwirrst des Haares Strähnen
Und bang' nach einem Späher schaust -

Wenn rings vom Schlummer schon empfangen
Die Eltern und Geschwister sind:
Pepita, Maid mit glüh'nden Wangen,
Woran dann denkst du wohl, mein Kind?

An eine Heldin die verkläret
Ihr großes Elend überragt, -
An alles was ein Traum gewähret
Und was die Wirklichkeit versagt, -

An einen Schatz von goldnen Münzen -
An ein geblümtes Seidenstück -
Vielleicht an einen Märchenprinzen -
An Zuckerzeug - an Mutterglück -

An Schwüre, die du einst verstohlen
Erlauschtest, strahlenden Gesichts -
An einen Tanz auf flücht'gen Sohlen -
Vielleicht an mich - vielleicht an nichts?!


Alfred de Musset - 1810 - 1857

Übersetzer: Sigmar Mehring 1856 - 1915


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