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         Französische Liebeslyrik


Das Glück

Poch, poch! Wer klopft dort außen? -
Poch, poch! Geliebte, du? -
Poch, poch! Das Glück steht draußen. -
Poch, poch! Die Tür bleibt zu! -

Wir wollen heut uns keinesfalls
Mit anderm, als mit Wein befassen.
Nur Liebchen wird hereingelassen,
Fortuna bleibe uns vom Hals.

Zwar sie verspricht uns viel Prosit,
Füllt gern mit Golde schwer die Taschen. -
Doch sind noch lang' nicht leer die Flaschen,
Und unser Wirt gewährt Kredit.

Sie will mit Perl' und Steinen gar
Uns heut nach altem Brauch noch schmücken. -
Soll dieser Tand uns auch noch drücken,
Da uns der Rock schon lästig war?

Sie bringt uns Titel, Orden her. -
Ein jeder Narr, gewiss! braucht Orden.
Das ist so sehr gemissbraucht worden,
Wir tragen nicht danach Begehr.

Wir folgen nicht, wenn sie uns winkt.
Jetzt will sie uns zum Äther tragen,
Sie wird zurück uns später jagen,
Wie ihre Laune das bedingt.

Bei ihr war Treubruch immer Brauch,
Wem könnten solche Sparren passen!
Und wollen wir uns narren lassen, -
Nun: uns're Mädchen können's auch.

Poch, poch! Es klopft von außen! -
Poch, poch! Geliebte, du? -
Poch, poch! Das Glück steht draußen. -
Poch, poch! Die Tür bleibt zu!


Pierre-Jean de Beranger - 1780 - 1857

Übersetzer: Sigmar Mehring 1856 - 1915


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