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         Französische Liebeslyrik


Hymens Weihe

Zwei, die zur Kammer zieh'n,
Will Hymen heut empfangen.
Rings schwirren Melodien,
Wie niemals süß're klangen.

Ein Spalt erlaubt uns, traun!
Die Szene aufzufangen:
Sie ist voll Reiz zu schau'n,
Er zähmt kaum sein Verlangen.

Noch sucht sie zu entfliehn
Und sträubt sich beim Umfangen,
Er lässt den Schatz nicht zieh'n
Und hält sie wie mit Zangen.

Er löst ihr das Gewand,
Und sie erfasst ein Bangen.
Schon triumphiert der Fant,
Bald gibt sie sich gefangen.

Doch eh' die Wünsche, die
Er hegt, ihr Ziel errangen,
entschlüpft dem Lager sie, -
Der Fang ist ihm entgangen.

Halt! Er erhascht sie schon,
Sie lässt das Köpfchen hangen,
Bis endlich Fleh'n und Droh'n
die schöne doch bezwangen.

Nun brummt er einen Fluch.
Und - was auch vorgegangen:
Der Ehe seltsam' Buch
Hat jetzt erst angefangen!


Pierre-Jean de Beranger - 1780 - 1857

Übersetzer: Sigmar Mehring 1856 - 1915


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