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Hymne an die Schönheit
Schickt dich der Himmel, schicken Höllengründe,
O Schönheit, dich - als Labsal oder Pein?
Du spiegelst und als Tugend vor die Sünde.
Dein Reiz verwirrt, betäubt wie Feuerwein.
Dein Blick lullt ein und weckt zum Morgenstrahle,
Dein Odem duftet wie Gewitternacht.
Dein Kuss ist Zaubertrank, dein Mund die Schale,
Die Helden schlaff und Knaben mutig macht.
Stammst du von Engeln oder von Dämonen?
Wollust tappt deiner Schleppe hündisch nach.
Du heischt Gehorsam, ohne ihn zu lohnen,
Und teilst nach Laune Segen aus und Schmach.
Hohnlachend kannst du über Leichen taumeln, -
Die Grausamkeit gehört zu deinem Sport.
Bei den Pretiosen, die am Leib dir baumeln,
Hängt als dein liebstes Kleinod frech der Mord.
Dich, Flamme, muss die Motte blind umschwirren, -
Schon halb geröstet, preist sie deine Glut.
So geht's dem Buhlen auch in Liebewirren:
Zum Grab wird ihm das Polster, drauf er ruht.
Steig' aus dem Pfuhl, nah' von geweihtem Orte,
O Schönheit, grausam-holder Rätselgeist, -
Dein Blick, dein Lächeln öffnen mir die Pforte
Ins Unermess'ne, das mich an sich reißt.
Ob Gott, ob Satan dich zum Heerbann zähle,
Was tut es, - wird im Erdenmißgeschick,
Du Glanz, Duft, Wohllaut, Herrin meiner Seele,
Durch dich erträglich nur ein Augenblick!
Charles Baudelaire - 1821 - 1867
Übersetzer: Sigmar Mehring 1856 - 1915
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