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         Französische Liebeslyrik


Seelenkampf

Zwei Stimmen kommen nie zur Ruh',
Der Seelenkampf währt unergründet:
Es gibt Vernunft den Gott nicht zu,
Den Liebe träumt und laut verkündet.

Sei fromm, sei Freigeist, - es ist eins:
Du hast dem Zwist dein Ohr gegeben.
Es ist mein traurig' Los, wie deins,
Mit diesem Widerstreit zu leben.

"Kein Vater leitet diese Welt,"
Sagt der Verstand, der urteilsschroffe,
"Hier wo das Böse recht behält."
Da spricht das Herz: "Ich glaub' und hoffe."

"Mit etwas Liebe kommt man weit.
Hoff' auch und glaub' ihn, den ich preise.
Ich spüre Gott und Ewigkeit!"
Doch der Verstand ruft: "Ja, beweise!"


Sully Prudhomme - 1839 - 1907

Übersetzer: Sigmar Mehring 1856 - 1915


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