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         Liebesgedichte aus Altgriechenland


Ode an Aphrodite

Goldigthronende göttliche Aphrodite,
Tochter des Zeus, Listspinnende, höre mein Flehen!
Nicht durch Schmach und herbes Leid, o Hohe,
Beuge den Stolz mir!

Sondern nahe mir jetzt, wie du ja gnädig
Meiner Sehnsucht brünstigen Ruf schon einmal
Helfend hast erhöret, des Vaters Wohnung
Freundlich verlassend.

Hoch auf goldenem Wagen kamst du. Ihn zogen
Fluggeübte Tauben zur düsteren Erde.
Nie ermattenden Fittichs aus Wolkenhöhe,
Äthergeschaukelt.

Pfeilgeschwinde warst du da und fragtest,
Selige, mich lächelnd in göttlicher Anmut:
"Welch Verlangen brennt dir im Herzen, dass du
Meiner begehrtest?

Was ersehnt die lüsterne Flammenseele
Gar so wild? Wen soll ich listig betören,
Wen denn wieder ins Netz dir fangen, wer doch
Kränkte dich, Sappho?

Flieht dich dein Freund: morgen soll er dir folgen.
Schlägt er Gaben aus: reichlich soll er dir geben.
Liebt er nicht: bald soll er entbrennen, und du
Lass ihn dann schmachten!"

Komm auch heut und befrei mich von schweren Sorgen!
Was, vor Liebe krank, mein sehnendes Herz wünscht,
O, gewährs, Allmächtige, stehe du selbst mir
Rettend zur Seite!


Sappho - zwischen 630 und 570 v. Chr.

Übersetzer: Richard Zoozmann 1863 - 1934


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