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Du sprachst: Verlass mich nicht!
Der Mond ging auf. Es glitzerten die Wogen
In seinem Strahl. Vom weiten Uferring
Kam schmeichelnd süßer Blütenduft geflogen,
Wie, oder war's dein Hauch, der mich umfing?
Rings lag dein schöner See im Dämmerscheine,
Ich ließ die Ruder müßig ruhn im Boot.
Da senktest du die Augen tief in meine
Und sprachst: Verlass mich nicht; es wär' mein Tod!
In jener Nacht sah ich im Traum erschrocken
Ein schönes totes Weib, weiß ihr Gewand,
Ein duft'ger Blumenkranz in ihren Locken,
Ein kleines Bildnis in der kalten Hand.
Seit dem hat man dich stets mit mir gesehen,
Schuf auch dein Kaltsinn oft mir bittre Not;
Doch wollt' ich einmal früher von dir gehen,
Sprachst du: Verlass mich nicht; es wär' mein Tod!
Nein, hör mich an. Nach Liebe, Licht und süßen
Gefühlen schmachtet tief ein junges Herz;
Du aber sprichst mir nur von Sterben müssen
Und lebst so frisch und rot und voller Scherz.
Mit einer Träne stärke mir den Glauben,
Der mehr und mehr mir zu entschwinden droht.
Doch du, um jeden Zweifel mit zu rauben,
Sprachst nur: Verlass mich nicht; es wär' mein Tod!
Ein andres Leben, hellere Gestirne
Erhofft' ich mir und strebt' empor voll Muth.
Es starrt der Pfad von Dornen, und die Stirne,
Die Lorbeern träumte, wird betrieft mit Blut.
Die Flügel sehnt mein Geist sich zu entfalten
In freierm Horizont, als hier sich bot;
Doch du, Geliebte, um mich festzuhalten,
Sprachst: O verlass mich nicht: es wär' mein Tod!
Was dann geschehn, du weißt's. Seit sieben Wochen
Irr' ich allein umher in düstrem Groll
Und denk an Herzen, die Verrat gebrochen,
Und meines blutet, das dich missen soll.
Allein Gottlob! wie ich vorbeiging heute,
Hört' ich dich lachen, - du bist frisch und rot!
Aus diesem Lachen klang kein Grabgeläute -
Und doch -"Verlass mich nicht; es wär' mein Tod!"?
Bernardino Zendrini - 1838 - 1879
Übersetzer: Paul Heyse 1830 - 1914
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