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Noch kann ich auf die Hoffnung nicht verzichten
Wenn deine Augen still auf mir verweilen,
Erwacht in meines Herzens tiefstem Grunde
Ein alter Reim, zwei unscheinbare Zeilen,
Die einst ein Freund mit las in ernster Stunde.
Er las sie zu Pavia mir, im schlichten
Studentenstübchen, wohl gedenkt es mir:
"Noch kann ich auf die Hoffnung nicht verzichten,
Zu leben und zu sterben einst mit dir!"
An dieser Hoffnung klammert sich die Seele
Noch scheiternd an, von Stürmen umgetrieben.
Kein Stern mehr winkt, den ich zum Führer wähle,
Der eine Traum nur ist mir treu geblieben,
Von ihm nur spricht mein Denken und mein Dichten,
Wie Duft die Blume haucht im Lenzrevier:
Noch kann ich auf die Hoffnung nicht verzichten,
Zu leben und zu sterben einst mit dir.
Ach, aller andern konnt' ich mich entschlagen,
Dass kaum ein leiser Schmerz in mir sich bäumte,
Ja selbst dem Paradiesesglück entsagen
Der großen Zukunft, die der Knabe träumte.
Jetzt heft' ich meinen Sehnsuchtsblick mit nichten
Auf die versagte grüne Lorbeerzier,
Nur auf die Hoffnung kann ich nicht verzichten,
Zu leben und zu sterben einst mit dir.
Nie schwand sie ganz. Und ward sie jemals schwächer,
Ein freundlich Wort, ein Blick, der mich getroffen,
Ein Lächeln nur, ein Winken mit dem Fächer -
Und gleich aufs Neu' entloderte mein Hoffen.
Es spielt um mich in hellen Traumgesichten,
Und sollen sie mich trügen für und für:
Noch kann ich auf die Hoffnung nicht verzichten,
Zu leben und zu sterben einst mit dir.
Denn muss ich auch, wenn Andre dich umfassen
Und stolz im Reigen dir zur Seite gehn,
Ich Ärmster, fern von dir zur und glückverlassen,
In Jedem den erwählten Liebsten sehn:
Bis zum Altar sich deine Schritte richten
an eines andern Arm, vorbei an mir,
Kann auf die Hoffnung nimmer ich verzichten,
Zu leben und zu sterben einst mit dir!
Bernardino Zendrini - 1838 - 1879
Übersetzer: Paul Heyse 1830 - 1914
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