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Die verschwiegene Nachtigall
Unter der Linden
Bei der Heide,
Wo unser zweier Bett gemacht,
Da mögt ihr finden,
Wie wir beide
Pflückten im Grase der Blumen Pracht.
Vor dem Wald im tiefen Tal,
Tandaradei!
Lieblich sang die Nachtigall.
Ich kam gegangen
Hin zur Aue -
Mein Trauter harrte schon am Ort.
Wie ward ich empfangen,
O Himmelsfraue!
Des bin ich selig immerfort.
Ob er mich küsste? Wohl manche Stund,
Tandaradei!
Seht, wie ist so rot mein Mund!
Da tät er machen
Und ein Bette
Aus Blumen mannigfalt und bunt.
Darob wird lachen,
Wer an der Stätte
Vorüberkommt, aus Herzensgrund:
Er wird sehen im Rosenhag,
Tandaradei!
Sehen, wo das Haupt mir lag!
Wie ich da ruhte,
Wenn man es wüsste,
Barmherziger Gott, ich schämte mich.
Wie mich der Gute
Herzte und küsste,
Keiner ersah es als er und ich,
Und ein kleines Vöglein -
Tandaradei!
Das wird wohl verschwiegen sein.
Walther von der Vogelweide - um 1170 - 1230
Übersetzer: Richard Zoozmann 1863 - 1934
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