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         Minnelieder der Minnesänger


Gruß an die Geliebte

Ich grüße mit Gesang die Süße,
Die ich nicht lassen kann und mag.
Seit ich von Mund zu Mund sie grüße,
Ach, leider her ists manchen Tag.
Wer dieses Lied nun singt von ihr,
Die ich mit Schmerz vermisse hier,
Seis Weib, seis Mann, der grüße sie damit von mir.

Mein sind die Länder in der Runde,
Wenn ich der Holden nahe bin,
Doch wenn mir schlägt der Trennung Stunde,
Ist all mein Macht und Reichtum hin.
Nur Schmerz und Leid ist dann mein Hab,
In mir steigt Freude auf und ab,
Und dieser Wechsel, glaub ich, dauert bis ans Grab.

Da ich sie nun herzinnig minne,
Und sie getreu zu jeder Zeit
Im Herzen trage und im Sinne,
Wenn manchmal auch mit Sehnsuchtsleid,
Was gibt die Liebe mir zum Lohn?
So holder Dank ward mir wohl schon,
Eh ich sie ließ, viel eher ließ ich selbst die Kron.

Der sündigt schwer, der mir nicht glaubte,
Ich säh mit ihr manch frohen Tag
Auch ohne Krone auf dem Haupte;
Nicht anders ja ich leben mag.
Verlör ich sie, was hätt ich dann?
Wär kein Gesell für Weib noch Mann,
Mir läge ja mein liebster Trost in Acht und Bann.


Kaiser Heinrich VI. - um 1185

Übersetzer: Richard Zoozmann 1863 - 1934


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