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         Römische Liebeslyrik


An Barine

Hätte jemals einer von deinen Schwüren,
Die du brachst, an dir sich gerächt, Barine,
Schwärzte sich ein Zahn und nur einer deiner
Blendenden Nägel -

Ja, dann traut ich. Aber so oft du Falsche
Schwörst bei deinem Haupte, so strahlst du doppelt
Schön, es folgt mit schwärmendem Blicke deinem
Gange die Jugend.

Ja, ein Meineid selbst bei der Mutter Asche,
Bei den Sternen droben am stillen Himmel,
Bei den Göttern, frommt dir, die nie dem kalten
Tode verfallen.

Venus selber lächelt dazu, die guten
Nymphen lächeln, auch der Tyrann Cupido,
Der die schmerzlich brennenden Pfeile stets auf
blutigem Stein wetzt.

Ja, für dich nur reift ja heran die Jugend,
Reift ein neues Sklavengeschlecht; die alten
Drohten zwar, doch keiner verließ das Haus der
Grausamen Herrin.

Müttern graut vor dir um der Söhnlein willen,
Vätern um ihr Gold, und der neuvermählten
Armen Gattin um den Gemahl, der deinem
Zauber sich hingibt.


Horaz (Q. Horatius Flaccus) - zwischen 65 bis 8 v. Chr.

Übersetzer: Jacob Achilles Mähly 1828 - 1902


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