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An Cynthia in Bajä
Während
du, Cynthia, weilst im Schoße des lieblichen Bajä
- Da, wo Hercules einst wandelte längs dem Gestad' -
Und dein Auge sich weidet am Blau des neptunischen Reiches,
Jener gefeierten Flut, welche Misenum bespült -
Denkst du wohl in der Stille der Nacht des fernen Geliebten?
Hat dein Herz noch für ihn irgend ein Plätzchen gespart?
Oder hat frevelnd ein andrer mit trügender Liebesbeteurung
Mir dein Herz und dich meinen Gedichten geraubt?
Mögest du dort, auf eigene Kunst im Rudern vertrauend,
Schaukeln im niedlichen Kahn auf der lucrinischen Flut,
Oder auch einsam baden in Teuthra's bescheidenen Wellen
Und mit wechselnder Hand teilen das weichende Nass,
Statt dass behaglich du lägest am schweigenden Rand und es raunte
Zärtliches Liebesgegirr dir ein Verführer ins's Ohr.
Ach! es fallen so leicht ja die Mädchen, der Obhut enthoben,
Und vergessen die Treu' und den gemeinsamen Schwur!
Zürne mir nicht, wohl kenn' ich dich ja als bewährt in der Treue;
Aber, wenn ferne das Lieb, fürchtet die Liebe ja stets.
Hab' ich dir also wehe getan durch dieses Geständnis,
O, so verziehe, die Angst trägt die alleinige Schuld.
Ach! nicht sorg' ich ja mehr um das Haupt der zärtlichen Mutter,
Selbst mein Leben verliert ohne dich jeglichen Reiz.
Du bist einzig mein Heim, du, Cynthia, Vater und Mutter,
Alles, was Freude mir macht, gipfelt in deinem Besitz.
Zeig' ich den Freunden ein heitres Gesicht, ist düster die Stirne,
Immer bekenn' ich mit Fug: Cynthia hat es getan.
Komm denn schleunig und kehre dem schlüpfrigen Bajä den Rücken,
Oft schon hat jenes Gestad' zärtliche Bande gelöst,
Jenes Gestade schon oft der Keuschheit Atem vergiftet.
Fluch den Quellen! es zeiht Liebe sie schnöden Verrats!
Properz (Sextus Propertius) - um 45 bis 16 v. Chr.
Übersetzer: Jacob Achilles Mähly 1828 - 1902
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