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An Cynthia während eines Sturmes
Ja, mir geschieht nach Verdienst! Wie konnt ich mich trennen vom Liebchen!
Meine Gesellschaft sind einsame Möwen zur Zeit.
Schwerlich vermag mein Kiel Cassiopes Bucht zu erreichen,
Allen Gelübden zum Trotz höhnt uns der tückische Strand.
Dir sind, Cynthia, weilst du auch fern, die Winde zu Willen.
Schrecklich im Heulen droht - hörst du? - der rasende Sturm.
Lächelt mir nimmer der Blick des zur Ruhe gebetteten Meeres?
Soll denn der Strand am Gestad bergen den modernden Leib?
Nein! wenn anders du willst dein Zürnen in Milde verwandeln,
Lass es genügen am Sturm auf dem entfesselten Meer.
Oder ertrügst dus, trockenen Auges des Liebsten zu denken,
Dessen Reste du nicht drücktest ans zärtliche Herz?
Fluch und Verderben dem Mann, der Kiel und Segel erfunden,
Der, als erster, die See trotz ihres Sträubens befuhr!
Hätt ich nicht besser getan, die Launen der Herrin zu tragen
- Hart zwar war sie, allein wieder so einzig zugleich -
Als in die Wildnis zu starren des düstern bewaldeten Ufers
Und das Zwillingsgestirn heißen Gebets zu erflehn?
Hätt ich zu Rom ein Grab für mich und die Schmerzen gefunden,
Ragte zu Rom ein Stein über des Liebenden Gruft -
O, sie hätte gewiss ihr Haar dem Toten gespendet,
Hätte den Aschenkrug mitten in Rosen gesetzt,
Hätte noch scheidend am Grab den Namen des Teuren gerufen,
Dass sich erträglich und leicht über mir wölbe die Gruft.
Ihr denn, Töchter der Flut, ihr Kinder der reizenden Doris,
Schlinget den Reihn um das Schiff, helft ihm zur glücklichen Fahrt.
Wenn einst Amor im Flug auch eure Tiefen besucht hat,
Schont des Genossen und lasst sichere Buchten ihn sehn.
Properz (Sextus Propertius) - um 45 bis 16 v. Chr.
Übersetzer: Jacob Achilles Mähly 1828 - 1902
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