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An Cynthia
Hier
in der Einsamkeit, wo in Schweigen die Klage begraben,
Wo nur der Zephyr streicht durch den verlassenden Wald,
Hier kann laut und getrost ich die wühlenden Schmerzen verkünden,
Wenn das Geheimnis der Fels wahrt in verschwiegener Brust.
Wo nur such' ich den Grund, o Stolze, des kalten Gebarens?
Welches mich drückende Leid, Cynthia, klag' ich zuerst?
Eben noch zählte man mich zu den glücklich liebenden Seelen;
Jetzt zum Tempel des Glücks stäupst du mich Armen heraus!
Sag', was verbrach ich? wie heißt die Schuld, die der Liebe den
Stoß gab?
Wär's ein Liebchen, das neu, dir zum Verdruss, ich erkor?
Wärst du so sicher mir hold, als nie noch ein andres Mädchen
Kam mit dem niedlichen Fuß über die Schwelle zu mir!
Hab' ich auch bitteres Leid um deinetwillen erduldet,
Wird doch niemals so heiß lodern mein Rachegefühl,
Dass ich Tränen der Wut, nie endender Wut, dir entlockte,
Die mit entstellendem Rot färbten dein leuchtendes Aug'.
Hab' ich dir wohl je Zeichen verlöschender Gluten gegeben?
Zeugt mein ehrlich Gesicht nicht von der Treue der Brust?
Wohl: so zeuge denn du (wenn jemals liebten die Bäume),
Buche, zeuge denn du, Fichte, Geliebte des Pan,
Wie so oft ich geseufzt in eurem bergenden Schatten,
Eurer Rinde so oft Cynthia's Namen vertraut.
Ach! die zehrenden Sorgen, die mir dein launisches Wesen
Schuf, zu erzählen, das weiß bloß die verschwiegene Tür.
All dein herrisches Wesen - ich hab' es in Ängsten getragen,
Niemals klagt' ich den Schmerz laut im erlösenden Wort.
Und mein Lohn? Durch waldige Berge, durch starrende Felsen
Irr' ich und bette mich hart auf dem verwachsenen Pfad.
Will ich vor lebenden Wesen den Strom der Klagen ergießen,
Ist es der zwitschernde Chor, der mit dem Einsamen weilt.
Allem zum Trotze jedoch soll stets dein Name, Geliebte,
Hallen im Echo des Walds, hallen am einsamen Fels.
Properz (Sextus Propertius) - um 45 bis 16 v. Chr.
Übersetzer: Jacob Achilles Mähly 1828 - 1902
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