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         Römische Liebeslyrik


An einen Freund

"Reiße dich los!" so dacht' ich, "und teile mir keiner das Bett mehr."
Kaum ist fertig der Pakt, bricht mir ihn Amor, der Schalk.
Frag' ich, warum solch reizend Gebild auf Erden verweile,
Dann wird, Jupiter, dein heimliches Buhlen mir klar.
Dunkleres Blond ihr Haar, die Hände von länglicher Bildung,
Hoch die Gestalt; die wallt, würdig der Juno, einher,
Oder der Pallas, die ihrem Altar in Munychia zuwallt,
Gorgo's Schlangengelock auf der gepanzerten Brust.
Herrlicher war Ischomache nicht, das lapithische Mädchen,
Die als willkommenes Gut trunkne Centauren geraubt,
Brimo nicht, die saikische Göttin, als an den Fluten
Böbe's die hehre Gestalt ruht' an der Seite Mercurs.
Ihr selbst stehet zurück, ihr Himmlischen, die auf dem Ida
O, dass diese Gestalt kein Makel des Alters entstellte,
Zählte sie auch so viel Jahre, Sibylle, wie du!


Properz (Sextus Propertius) - um 45 bis 16 v. Chr.

Übersetzer: Jacob Achilles Mähly 1828 - 1902


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