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Das Liebesgedicht in Welt und Zeit
 





         Römische Liebeslyrik


An Lesbia

Lass, Mädchen, leben uns und lieben,
Und lachen über das Gebrumm
Der Alten, dies wie wir doch trieben,
Wir geben keinen Deut darum.

Gehn unter auch die Sonnen, kommen
Doch wieder sie mit gleicher Pracht.
Ist unser Lichtlein erst verklommen,
Umstarrt uns ewig dunkle Nacht.

Drum wollen wir beizeiten leben!
O Lesbia, mein Holdchen du!
Komm, magst mir tausend Küsse geben,
Und hundert Küsschen noch dazu.

Schnell immer wieder tausend Küsse,
Schnell hundert Küsschen wieder dann,
Dass niemand ihre Zahl mehr wisse,
Und böser Neid nicht schaden kann.


Catullus (Gajus Valerius) - 87 bis 54 v. Chr.

Übersetzer: Gottfried August Bürger 1747 - 1794


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