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An Lyke
Lyke,
wohntest du auch fern an des Tanais
Strand, ein scythisches Weib, bräch' es dir doch das Herz,
Wenn ich während des Nordsturmes, der dort zu Haus,
Schmachtend läge vor deiner Tür.
Hörst du nicht, wie von Windstößen die Türe knarrt?
Wie es heult in dem Hain zwischen den herrlichen
Hallen? nicht, wie bei hellleuchtender Luft der Schnee
Eisgehärtet vom Froste knirscht?
Venus zürnt dir ob solch trotziger Sprödigkeit!
Wenn vom Rade das Seil plötzlich herunterschnellt,
Wie dann? Lydischen Stamms, keine Penelope
Bist du, die sich der Freier wehrt.
Beugen Gabe und beugt brünstiges Flehn dich nicht,
Nicht der Liebenden Gram, der ihre Mienen bleicht,
Nicht dein Gatte, der seufzt nach der pierischen
Buhlin - o, so erbarm' dich doch
Deines Sklaven und sei nicht wie die Eiche starr,
Unbarmherziger als maurische Schlangenbrut.
Nicht mag ewig ich hier frieren auf hartem Stein,
Kalt durchschauert von Regenflut.
Horaz (Q. Horatius Flaccus) - zwischen 65 bis 8 v. Chr.
Übersetzer: Jacob Achilles Mähly 1828 - 1902
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