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Cynthia auf dem Lande
Ungern ließ ich dich zwar von Rom, o Cynthia, scheiden,
Doch jetzt weiß ich dich gern sicher im Schoße des Lands.
Denn dort naht kein junger Verführer dem züchtigen Mädchen,
Der mit berückendem Laut schmeichelnd die Unschuld bedroht.
Auch kein Streit und Lärm wird unter dem Fenster entstehen
Und kein Rufen nach dir, das dir den Schlummer vergällt.
Einsam wirst du den Zug der einsamen Berge betrachten,
Ringsum kleinen Besitz, grasende Herden darauf.
Aber kein Schauspiel kann dir böse Gedanken erwecken,
Und kein Tempelbesuch bringt dich, wie oft schon, zu Fall.
Dort siehst du nur pflügende Stiere die schollen zerteilen,
Und wie der Rebe Gelock kundig der Winzer verkürzt.
Spärlichen Weihrauch wirst du der schmucklos schlichten Kapelle
Spenden, wo bloß ein Bock blutet am ländlichen Herd.
Bald auch wirst du zum Reigen die zierlichen Waden entblößen
(Nur vor dem Eindringling wünscht ich dich sichergestellt).
Ich will jagen; ich fühle den Trieb, als Jünger Dianens
Dienst mich zu weihn, und zugleich zahl ich der Venus die Schuld.
Ja, ich geh auf die Pirsch und häng auf die Zweige der Fichte
Edelgeweih; zur Hatz nehm ich den mutigen Hund.
Nicht zwar, dass ich es wagte, den mächtigen Leu zu bestehen
Oder der wütenden Sau zünftig zu Leibe zu gehn.
Nein, ich getraue mich bloß, auf furchtsame Hasen zu fahnden
Oder mit schwirrendem Pfeil Vögel zu treffen im Hain;
Wo Clitumnus sich selber die leuchtenden Wasser beschatten
Und die Herden sich weiß baden im heiligen Strom.
Denke, mein Leben, so oft dich kühne Gedanken beschleichen:
"Wenige Morgen und schon - ist er ja wieder bei mir."
Sieh, so hindern mich nicht die einsam starrenden Wälder,
Noch der Bergstrom Sturz über bemoostes Gestein,
Dass ich nicht immer und immer mit wechselndem Namen dich nenne,
Nenne, damit in der Fern keiner ein Leides dir tu.
Properz (Sextus Propertius) - um 45 bis 16 v. Chr.
Übersetzer: Jacob Achilles Mähly 1828 - 1902
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