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         Römische Liebeslyrik


Die Rechte Zeit (An Chloe)

Noch so spröde, mein Kind, wie ein junges Zicklein,
Das im wilden Gebirg nach der mutter meckert
Und bei jedem Geräusche schreckhaft zusammenfährt? -

Kind, ich tu dir nichts: ich bin kein reißender Löwe,
Trenne dich von der Mutter, und komm in mein Stübchen,
Komm, ich lehr dich der Liebe reizendes Spiel,
Komm, du bist grad im rechten alter, mein Schätzchen!


Horaz (Q. Horatius Flaccus), zwischen 65 bis 8 v. Chr.

Übersetzer: Richard Zoozmann, 1863 - 1934



2. Übersetzung bzw. Nachdichtung:

Warum fliehst du vor mir, Chloë, dem Rehe gleich
Das im wilden Gebirg' scheu nach der ängstlichen
Mutter sucht und vor jedem
Lufthauch schrickt, der im Wald sich regt?

Seht ein Schauer vom neu wachenden Frühling her
Durch das zitternde Laub, raschelt im Brombeerstrauch
Eine grüne Lacerte,
Gleich erbeben ihm Herz und Knie.

Doch ich folge dir ja nicht mit des Tigers Mut,
Bin kein afrischer Leu, welcher nach Beute lechzt.
Lass doch endlich die Mutter,
Da du reif für die Liebe bist.


Horaz (Q. Horatius Flaccus) - zwischen 65 bis 8 v. Chr.

Übersetzer: Jacob Achilles Mähly 1828 - 1902


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