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Das Liebesgedicht in Welt und Zeit
 





         Römische Liebeslyrik


Erhörung

Nicht so jubelnd begrüßte den griechischen Sieg der Atride,
Als der Laomedon Burg endlich, die mächtige, fiel;
Nicht so jauchzte das Herz des Ulyss am Ziele der Irrfahrt,
Als er Dulichia's Strand, den so ersehnten, betrat;
Nicht Electra, da lebend die Schwester den Bruder erblickte,
Dessen vermeintes Gebein kaum noch ihr Auge bethaut;
Nicht Ariadne, da heil sie den Theseus wieder gewahrte,
Den ihr Faden gelenkt durch das Dädalische Haus -
Als ich selber in Wonne geschwelt die vorige Nacht durch.
Noch eine zweite wie sie - und die Unsterblichkeit winkt!
Früher, so lang' ich das Haupt ließ sinken und zagend einherschlich,
Hieß ich erbärmlicher ihr als ein vertrockneter Teich.
Jetzt jedoch hat sie verlernt, sich spröd' und stolz zu gebärden
Und für Klagen und Flehn taub und verschlossen zu sein.
Hätt' ich doch nicht erst spät die richtigen Mittel erfahren!
Auf den Verschmachteten erst träufelt der heilende Trank.
Blind war ich! sonst sah ich ja leuchten die rettenden Pfade!
Ach! wen Liebe betört, dem ist das Auge verhängt!
Jetzt erst weiß ich, was frommt: Stellt kalt euch, die ihr verliebt seid!
Die euch gestern verwies, naht sich dann heute von selbst.
Andre pochten umsonst und riefen den Namen des Mädchens;
Aber auf mich allein senkte sie schmachtend das Haupt.
Dieser Triumph gilt mehr, als wenn ich die Parther bezwungen;
Könige, prunkender Zug, Beute - was brauch' ich sie noch?
Köstlicher Schmuck soll jetzt, Cythere, die Säule dir kränzen,
Unter den Namen gesetzt prange der folgende Spruch:
"Diese Trophäen errichtet vor deinem Tempel, o Göttin,
Für die Wonnen der Nacht, die er genossen, Properz."
Jetzt enteile zu dir, o Lieb, mein Schiff aus der Brandung,
Mög' es, beschwert, nicht mehr scheitern in wogender See.
Wendest du aber den Sinn von mir in frevelndem Treubruch,
Vor deiner Schwelle sodann bett' ich das sterbende Haupt.


Properz (Sextus Propertius) - um 45 bis 16 v. Chr.

Übersetzer: Jacob Achilles Mähly 1828 - 1902


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