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Gebet für die Geliebte
Nahe dich hilfreich, Gott mit den wallenden Haaren, und tette,
Rette mein Mädchen mir, Phöbus, aus Siechtum und Not;
Nahe dich schleunig und glaub mir, es wird dich nimmer gereuen,
Dass du dem herrlichen Kind nahtest mit helfender Hand.
Lass nicht bleichenden Schwund die herrlichen Glieder verzehren,
Nicht das entstellende Gelb schänden den reizenden Leib.
Alle die Not, die sie drückt, und alle die Angst, die uns martert,
Treib ein reißender Strom fort ins unendliche Meer.
Komm, o Heil'ger, und bringe mir die Fülle von Tränken
Und von Zaubern, die je krankende Leiber erquickt.
Reiß aus Qualen der Angst den Jüngling, dem für sein
Mädchen
Bangt, und der für ihr Heil gerne sein Letztes gelobt.
Zwar nicht immer gelobt er: wenn kränker und schwächer das
Mädchen,
Stößt er auch Worte des Zorns gegen die Himmlischen aus.
Lass die Ängste, Cerinthus; der Gott schont liebende Herzen;
Halt an der Liebe nur fest, und die Geliebte genest.
Lass von den Tränen uns spare sie auf für die schlimmeren Fälle,
Wo sie mit düsterem Blick übel gelaunt dich empfängt.
Doch jetzt ist sie ja dein, in dich versenkt sich ihr Sinnen
Völlig; vergeblich erhofft Gunst der Verehrenden Troß.
Hilf denn, Phöbus, und ernte den Ruhm, in einem geheilten
Haupte der Reiter von zwei Seelen geworden zu sein:
Freudvoll wirst du gewahren, wie dir zum Ruhme die beiden,
Glühend von Eifer und Lust, opfert an deinem Altar.
Glücklich darob wird dann dich die Schar der Himmlischen preisen,
Jeder sich wünschen zugleich deine, die heilende, Kunst.
Tibull (Albius Tibullus) - um 55 bis 18 v. Chr.
Übersetzer: Jacob Achilles Mähly 1828 - 1902
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