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         Römische Liebeslyrik


Klage um den Sperling

Traget Leid, o ihr Liebesgötter alle,
Leid, was lebt und was webt von zarten Seelen,
Ach! gestorben ist meines Mädchens Sperling!
Jener Sperling, die Wonne meines Mädchens,
Den sie mehr als ihr Augenlicht geliebt hat;
Denn er war ja so goldig traut und kannte
Sie so völlig wie ein Kind die Mutter.
Und er rührte sich nicht von ihrem Schoße,
Sondern flatterte umher, bald hier, bald dorthin,
Piept er stetig der Herrin zugewendet -
Jetzt bewegt er sich auf dem düstern Wege
Dahin, wo, wie es heißt noch keiner herkam.
Mög dirs über ergehn, du leidig dunkler
Orcus, der du verschlingst, was schön auf Erden.
Mir mein schönes Geschöpfchen zu entraffen!
O des Frevels! o ärmstes, liebstes Spätzchen!
Deinetwegen entzünden sich die Äuglein
Meines Schätzens, vom Weinen angeschwollen.


Catullus (Gajus Valerius), 87 bis 54 v. Chr.

Übersetzer: Jacob Achilles Mähly 1828 - 1902


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