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         Römische Liebeslyrik


Neuer Bund alter Liebe

Horaz
Als du mir noch gewogen warst,
Und in höherer Gunst keiner die Arme dir
Um den schimmernden Nacken schlang:
Schwelgt' in Wonnen ich, wie Persiens König nicht.

Lydia
Als du noch für die Lydia
Glühtest und ich noch nicht Chloën den Platz geräumt,
Die gefeierte Lydia:
Schwelgt' im Ruhm ich, wie nie Latiums Ilia.

Horaz
Mich beherrscht nun das Thrakerkind
Chloë, leiergeübt, süßen Gesanges voll;
Für sie zagt' ich zu sterben nicht,
Wenn nur ihr das Geschick gnädig das Leben wahrt.

Lydia
Mir hat Calais, Ornytus'
Sohn aus Thurium, Glut, tauschend mit Glut, entfacht;
Für ihn stürb' ich nicht einmal nur,
Wenn nur ihm das Geschick gnädig das Leben wahrt.

Horaz
Doch wenn wieder die Lieb erwacht
und in's eherne Joch neu die Entzweiten spannt?
Wenn an Chloëns, der Blonden, Statt
Meiner Lydia sich wieder die Tür erschließt?

Lydia
Zwar ist schöner als Phöbus er,
Und du leichter als Kork, schneller zum Zorn erregt
Als der Hadria wilde Flut;
Doch will leben ich, will sterben mir dir vereint!


Horaz (Q. Horatius Flaccus) - zwischen 65 bis 8 v. Chr.

Übersetzer: Jacob Achilles Mähly 1828 - 1902


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