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Das Liebesgedicht in Welt und Zeit
 





         Römische Liebeslyrik


Verzicht

Weg mit dem falschen Vertraun auf deine Schönheit, o Mädchen!
Meinem geblendetem Aug dankst du es, dass du so stolz.
Bloß mein Lieben verlieh dir, in solchen Reizen zu prangen,
Herrlich schuf dich allein - und ich bereu es - mein Lied.
Sang ich doch oft, wie in dir sich verschiedene Reize vereinen,
Aber es war nur Schein, Liebe nur glaubt es zu sehn.
Auch die Farbe verglich ich so oft dem rosigen Frührot,
Jene Farbe, die dir künstliche Schminke verlieh.
Mahnende Freunde versuchten, vom Wahn mich zu heilen - vergebens!
Selbst mit des Ozeans Flut hätt ihn kein Zauber getilgt.
Nicht durch Feuer und Eisen erpresst war, was ich bekannte:
Ja, das Ägäische Meer hört es beim wildesten Sturm.
Um mich leckten und glühten bisher die Flammen der Venus;
Kraftlos den Rücken herab hingen die Hände geschnürt.
Jetzt bin ich glücklich im Hafen, das Schiff trägt Kränze, die Klippen
Sind mir im Rücken, und schon haftet der Anker im Grund.
Jetzt erst, matt und erschöpft von der Drangsal, samml' ich mir wieder
Kraft und Verstand, und geheilt schließen die Wunden sich zu.
Göttin Vernunft, wo ist dein Tempel? ich will ihn bekränzen;
Taub schloss Jupiter ja meinen Gelübden das Ohr.


Properz (Sextus Propertius) - um 45 bis 16 v. Chr.

Übersetzer: Jacob Achilles Mähly 1828 - 1902


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