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Wünsche für den Geliebten
Schone
den Jüngling mir, der du auf Tristen der Feldflur
Oder im Düster des Walds, reißender Eber, verweilst.
Wetze mir nicht zum blutigen Kampf die schrecklichen Hauer.
Amor, wahre den Freund treu mir vor jeder Gefahr.
Aber es reißt ihn Diana dahin zur fröhlichen Jagdluft.
Treffe das Wetter den Wald, treffe die Rüden der Tod!
Welch' ein rasend Beginnen, die Wildnis droben am Berghang
Rings zu umspannen, bis dass blutend erschlaffe die Hand?
Welch' ein Vergnügen, in Höhlen das arglose Wild zu beschleichen,
Dass an Dorn und Gestrüpp blutig der Schenkel sich ritzt?
Und doch, wär's mir vergönnt, mit dir, Cerinthus, zu schweifen,
Trüg' über Berg und Tal gern ich die Netze dir nach.
Ja, ich würde die Fährten des flüchtigen Hirsches verfolgen,
Würde vom Halse des Hunds lösen den eisernen Ring.
Dann erst wäre der Wald mir lieb, wenn tadelnd man sagte,
Dass vor den Netzen ich dir, Teurer, im Arme geruht.
Käme dann auch ein Eber in's Garn, wir ließen ihn laufen,
Denn er störte die Luft, die uns so stürmisch vereint.
Nun, da du fern, bleib' Venus auch fern; du pflege Dianens
Keusches Gebot und keusch nimm ihre Netze zur Hand.
Sollt' ein anderes Mädchen dir heimlich in's Herze sich drängen,
Sei der zerfleischende Zahn hungrigen Wildes ihr Loos.
Doch du lasse dem Vater die Luft, im Walde zu jagen.
Komm, rasch kehre zurück an mein verlangendes Herz.
Tibull (Albius Tibullus) - um 55 bis 18 v. Chr.
Übersetzer: Jacob Achilles Mähly 1828 - 1902
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