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Auf dem Friedhof
Zum
Friedhof geh' ich oft. Ich weiß ein Plätzchen dort,
Wo grüner sprosst das Gras, wo duft'ger blüht der Flieder,
Wo Bäume schatt'ger stehn am friedgeweihten Ort,
Wo heller, lieblicher ertönen Vogellieder.
Ich flüchte gerne mich in schwüler Mittagsglut
In dieser Kreuze Schutz, auf halbgesunknen Hügeln;
In's weiche Gras gestreckt, schau' ich in blauer Flut
Die weißen Wölkchen ziehn auf sanften Windesflügeln . . .
Der Kreuze eines fand ich umgestürzt im Gras:
Der Sturm in vor'ger Nacht sein wildes Spiel hier übte.
Die Inschrift halb verwischt, ich suchte sie und las:
"Ich harr' in Sehnsucht dein; o komme bald, Geliebter!" . . .
Und sinnend stand ich da. Des Ortes Genius
Berührte mich am Haupt; sein Fittig wehte Kummer.
Weß liebevolles Herz ruht hier im ew'gen Schlummer?
Wen ruft's zu sich herab? wem gilt der letzte Gruß?
"Ich harr' in Sehnsucht dein." Vernahm sie diese Worte,
Die noch der Grabesstaub mit trautem Namen nennt?
Weilt sie am Leben noch? durchmaß sie jene Pforte,
Die uns're lichte Welt vom dunklen Jenseits trennt?
Wie du verlassen ruhst - gar traurig anzuschauen!
Kein Blümchen schmückt, kein Kranz dein ungepflegtes Grab,
Kein Herzblut rinnt um dich und keine Tränen tauen
Aus fieberheißem Aug' auf deinen Staub herab.
Semen Nadson - 1862 - 1887
Übersetzer: Andreas Ascharin 1843 - 1896
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