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         Liebeslieder der Troubadours


Gruß an die Geliebte

Liebeswonne will mir gar
Noch den Sinn verrücken:
Blumen seh ich bunt und klar
Selbst den Winter schmücken,
Sturm und Regen wunderbar
Mehrt nur mein Entzücken,
Und mein Sang, er steigt fürwahr,
Alles will mir glücken.
So fühlt mein Herz sich kühn
Vor Lieb und Wonne glühn:
Frost und Schnee wird Blüt und Grün
Vor den seligen Blicken.

Ohne Kleid im Hemd zu gehen,
Sollt mich nicht verdrießen,
Liebe lässt vor Nordwinds Wehn
Mich ja Schutz genießen.
Toll ists, sich nicht vorzusehn,
Nur die Luft zu büßen,
Wahrt ich drum mich zu Vergehn,
Seit ich bei der Süßen
Mich gab in Liebespflicht,
Die hohen Lohn verspricht:
Diesen Schatz vertauscht ich nicht
Mit dem Land der Friesen.

Macht sie mir auch wenig Mut,
Hoffnung will nicht wanken:
Wie das Schifflein auf der Flut
Hält sie mich im Schwanken.
Ach, das Leid, das sie mir tut,
Findet keine Schranken;
Winde mich, wenn alles ruht,
Noch in Liebsgedanken.
Solch Weh verzehrte nie
Den Tristan selbst um sie,
Seine blonde Freundin, wie
Mich, den Sehnsuchtskranken.

Gott, könnt ich ein Schwälbchen sein,
Durch die Lüfte schweben,
Wollt mich in ihr Kämmerlein
Mitternachts begeben!
Holdes Weib, wer Euch allein
Liebt in diesem Leben,
Dem zerrinn das Herz vor Pein
Und verlornem Streben.
An Eure Huld ergeht
Mein brünstiges Gebet:
Schönes frisches Lieb, o seht
Endlich auf mein Beben.


Bernart von Bentadour - zw. 1140 - 1195

Übersetzer: Friedrich Diez 1794 - 1876


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