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Liebeslied
Mich freut des Sommers süße Zeit,
Mich freuts, wenn Vogelsang erschallt,
Auch freut mich grünbelaubter Wald,
Mich freut der Auen grünes Kleid.
Doch Herrin, Ihr freut hundertmal mich mehr,
Und Euch zu dienen freut mir gar sehr.
Doch Ihr willfahrt mir immer freudiglich:
Der Wunsch zu sterben drum erfreuet mich.
Ein Wunsch beseelt mich, größer weit
Als andrer Wunsch an Vollgehalt,
Der Wunsch, dass Eure Huldgestalt
Mir wünsch und schenke Seeligkeit.
Im Kuss verdoppelt Wunsch sich und Begehr,
Und wünscht dann sonder Täuschung immer mehr.
Lasst nicht im Wunsch, o Herrin, sterben mich!
Denn wünschend freue man der Liebe sich!
Raimon von Miraviel - um 1200
Übersetzer: Karl Ludwig Kannegießer 1781 - 1864
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